Die Reaktionen nationalkonservativer Exponenten in der Schweiz auf die Attentate in Norwegen. Ein Pamphlet.
Die These der Rechten: Das Doppel-Attentat in Norwegen ist allein die Sache von Breivik, durchgeknallter Einzeltäter. Meine These: Die Attentate sind ein Angriff auf die Linke, hier in Gestalt der Sozialdemokratie, vor dem Hintergrund einer jahrelangen Propaganda.
Da hilft kein Wegreden: Das Vorgefallene zu erklären mit einem isolierten Täter, gegen den nichts getan werden kann, und die eigene ideologische Verantwortung als Reaktionäre ausser Acht zu lassen, ist übel.
Ein Freund von mir hat folgendes formuliert: «Oslo hat den Blick in den Abgrund des Möglichen freigegeben. Der Horizont hat sich verschoben. Im besten Fall wird sich dieser Schock heilsam auf die politische Kultur auswirken. Im besten Fall...»
Der beste Fall tritt aber nicht ein. Zu arrogant und zu selbstgerecht machen die National-konservativen, die Köppels und Brunners, dort weiter, wo sie vorher schon waren: keine Reue, keine Besinnung, kein Mitgefühl, dafür Verleumdung, Umdrehung der Tatsachen und Beschuldigung der politischen Gegner. Sie drehen alles, bis es in ihre Kreuzzugmentalität passt, die jeden Widerspruch als Feind-seligkeit interpretiert, für die es keine Toleranz gibt. Der Feind, das Andere gehört ausgemerzt, da es das christlich-abendländische, wahlweise auch helvetische Erbgut stört.
Das Lamento des Weltwoche-Zampanos und des SVP-Präsidenten, dass sie trotz ihrer jahrelangen Hetze nicht direkt verantwortlich gemacht werden können, ist noch nachvollziehbar: Reden und konkrete Taten sind beide hässlich, aber zwei unterschiedliche Dinge. Ihre argumentative Scheusslichkeit aber à la: In der Schweiz muss niemand zu diesem extremen Mittel greifen wie in Norwegen, weil wir mit den direktdemokratischen Mitteln andere Möglichkeiten haben, berechtigt «Missstände» zu bekämpfen, ist perfid.
Diese Logik macht mir Angst. Wenn ihr Linken und Netten nur nicht so weltfremd wärt, dafür gschpüriger am «Volk», müsstet ihr kein Durchknallen von Extremisten «unserer» Seite befürchten: So ist das gemeint.
Roger und Toni: wenn ich mir überlege, was ihr genau formuliert, beschleicht mich das Gefühl, euch sei das Vorgefallene, die toten Jugendlichen, die angegriffenen Linken, scheissegal. Und, zynisch wie ich bin, denke ich, dass ihr denkt: Sie hätten's ja besser wissen können, diese Linken, so sind sie doch eigentlich selber schuld.
Reto Plattner
Samstag, 1. Oktober, 14.30 Schützenmatte Bern
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