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Fremde Viren

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 «Jährlich holt die Wirtschaft zehntausende Menschen in unser Land. Gleichzeitig sind sehr viele gut ausgebildete Schweizerinnen nicht berufstätig. Ich möchte die Frauen keinesfalls gegen ausländische Arbeitskräfte ausspielen. Aber indem wir die Vereinbarkeit von Beruf und Familie fördern, steuern wir auch die Zuwanderung!»

Simonetta Sommaruga, 1. Mai 2012

Wir leben in dumpfen Zeiten. Während ganze Volkswirtschaften vor der Frage stehen, ob sie wieder auf Tauschhandel umstellen müssen, diskutiert Wohlstandia, wie man das Heidiland vor fremden Viren schützen kann, ohne die auf dem globalen Kapitalismus beruhende Wachstumsdynamik zu kappen. Die Ventilklausel ist aktiviert. Eine Bundesrätin findet im Beschäftigungsgrad der Frauen die brachliegende Wachstumspotentiale im Innern. Die Grünen liebäugeln mit Ecopop und verteidigen Kulturland. Und die radikale Linke sucht das Proletariat.

Wird die Schweiz zum Versuchslabor einer elitären Zonierung ? Wird hier geprobt, wie man im globalen Chaos von Umweltkatastrophen und sozialer Desintegration grossflächige Gebiete des Wohlstands absichern kann, in denen gesellschaftliche Liberalität nach Innen mit Aggressivität und Totschlag nach Aussen kombiniert werden kann ?

Als wir im Herbst 2011 «Halts Maul Schweiz» produziert haben, waren es die Ärgernisse der Vorwahlzeit, die uns angestachelt haben. Jetzt, wo die SVP leicht angeschlagen in der Ringecke hockt, reiben wir uns die Augen. Warum verliert Sarkozy mit einer sich an die Frontisten anbiedernden Kampagne die Wahlen und wir dümpeln hier nach der angeblichen Wahlniederlage der Rechtspopulisten weiter nach rechts ?

Weil unser erster Streich gegen die Schweiz-tümelei gut angekommen ist, haben wir die in «Halts Maul Schweiz» noch nicht realisierten Pläne hervor gekramt; wir fragten uns, warum die helvetischen Mythen die Stürme der Globalisierung unbeschadet zu überstehen scheinen. Nach wie vor sind wir davon überzeugt, dass die Dekonstruktion der helvetischen Mythen zwingende Voraussetzung dafür ist, in der Schweiz ein neues internationalistisches Projekt zu entwickeln, das sowohl das lokale wie auch das globale Oben und Unten zum Ausgangspunkt des Handelns macht.

Wir freuen uns über jede Form der Reaktion und warten gespannt darauf, ob ein dritter Streich folgen wird. In diesem Sinn: Halts Maul Schweiz.

Verein antidot

Intervenieren!

editorial

Die Schweiz: ein Land, umrankt von ideologisch ausgeschlachteten Mythen und Zuschreibungen, mit denen Gesellschaftspolitik betrieben wird; die das Land, in dem wir Alle wohnen, abgeschotteter, unsozialer und identitärer werden lässt.

Wir haben genug von der nationalkonservativ-reaktionären Walze, die alles Progressive und Emanzipatorische wegdrückt und diffamiert. Wir haben genug von der offiziellen Linken, die mit einer eigenen Mythologisierung dieses Konzept (un)bewusst mitträgt. Aus diesen Gründen publizieren wir «Halts Maul, Schweiz!». Damit versuchen wir uns, sachlich fundiert von radikal links, mit Beiträgen verschiedenster Art in einer eigenen Analyse der Situation. Um zu benennen und aufzudecken, um Vorschläge einzubringen und den Mut anzustacheln, Widerstand und neue Perspektiven gegen diese unerträgliche Schweizisierung zu entwickeln. Um uns in den Weg zu stellen...

«Halts Maul, Schweiz!» wird herausgegeben vom Verein antidot und versammelt nebst eigenen Texten auch Beiträge von FremdautorInnen, die aus unterschiedlicher Perspektive Fragen aufwerfen, Gegenpositionen einnehmen und sich nicht positiv auf den Sonderfall Schweiz beziehen. Die Zeitung wird in einer Auflage von 25'000 Exemplaren herausgegeben, der Gesamtauflage der WOZ beigelegt und in den nächsten Wochen auf diversen Wegen unter die Menschen gebracht.

Meldet euch bei uns, wenn ihr weitere Exemplare der Zeitung wollt oder sonst eine Anregung habt!

Für die Redaktion: Reto Plattner

 

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